Fragt man Grundschüler nach ihren Lieblingsmärchen, erhält man oft die gleichen Antworten: Dornröschen, Aschenputtel, Hänsel und Gretel, die Bremer Stadtmusikanten. Erkundigt man sich nach Einzelheiten in den Märchen, wissen die meisten nicht die richtigen Antworten auf Fragen wie: Wer rief "Bricklebrit"? Welche Tiere gehören zu den Bremer Stadtmusikanten? Wie hieß das Mädchen, das in einer Walnusschale schlief?

Doch das Interesse der Kinder an Märchen ist ungebrochen. Nicht zuletzt sieht man das an den zahlreichen Märchenverfilmungen und Zeichentrickfilmen, die diese Motive immer wieder aufgreifen. Daher eignet sich das Thema Märchen im Grundschulunterricht auch ideal zur Leseförderung.

Um den Unterricht "rund um das Märchen" spannend und abwechslungsreich zu gestalten, kann man weit über das Lesen und Vorlesen von Märchen hinausgehen. Ein Märchenquiz lässt sich in der Grundschule auch gemeinsam mit den Schülern relativ leicht selbst entwickeln. Basis ist die Kenntnis verschiedener Märchen. Zum Inhalt werden Märchen-Titel-Verwechslungen wie "Der Wolf und die sieben Zwerge" oder "Von einem, der auszog, das Schwimmen zu lernen" und Fragen zu bekannten Märchen. Die Schüler können ihre Lieblingsmärchenbücher mitbringen, ihren Mitschülern einzelne Märchen vorstellen und vorlesen. Die Rätselfragen können in Gruppenarbeit erstellt werden, der Schwierigkeitsgrad wird dabei von den Schülern selbst festgelegt, meist aufgrund des eigenen Kenntnisstandes. Viel Spaß bereitet es dann, die einzelnen Gruppen die Aufgaben der jeweils anderen Gruppen lösen zu lassen. Wer konnte die kniffligsten Fragen erfinden? Wer kennt sich bei den Märchen am besten aus?

Im Rahmen eines Märchen-Projekts können Schüler der 3. oder 4. Jahrgangsstufe auch einen Märchentag für die Schule vorbereiten. Hierzu einige Anregungen:

Besonders die örtliche Bibliothek spielt in der Leseförderung eine wichtige Rolle. Zum Bestand gehört meist ein großes Angebot an Märchenbüchern für alle Altersgruppen. Da die Bibliotheken oft unter Besucherschwund gerade in den jüngeren Altersgruppen zu leiden haben, finden sie sich meist gerne zu einer Zusammenarbeit mit den Schulen bereit. So kann ein Vorlesenachmittag organisiert werden, der die Schüler in die Bibliothek lockt. Es muss dabei nicht immer der professionelle Märchenerzähler sein, der vorliest oder erzählt. Vielleicht gibt es ja unter den Omas und Opas Ihrer Schüler einige, die Sie hier unterstützen.
Aufgelockert werden kann das Vorlese-Programm durch eine Märchenrallye.
Eine Art Laufzettel führt von einer Aufgabe zur nächsten, z.B.:

Bibliotheken sind heutzutage keine Orte des Schweigens mehr. Dennoch ist es wichtig, bei solch einem Projekt sowohl mit den Mitarbeitern der Bibliothek als auch mit den Schülern die nötigen Verhaltensregeln abzusprechen.

Durch die Beschäftigung mit den Märchen erwerben die Kinder nicht nur inhaltliche Kenntnisse, sondern man führt sie spielerisch an das Lesen heran. Sind sowohl Unsicherheit gegenüber dem Lesen als auch mangelndes Interesse an Büchern erst einmal in einem kleinen Bereich, hier hinsichtlich der Märchen, überwunden, wird es umso leichter, das Lesen weiter zu fördern und Interesse für andere Texte und Bücher zu wecken.

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